Verfasst von: Jutti_down_under | April 30, 2008

Berg-Abenteuer und Lektionen in buddhistischer Zuversicht

So, endlich mal Adventure und Adrenalin. Habe das Schicksal herausgefordert und mir tatsächlich für einen Tag einen Wagen gemietet. Wollte mir doch den heiligen Berg Doi Suthep, inkl. Tempel und auch ein wenig das Hinterland ansehen – hatte Wundervolles darüber gelesen. Den Linksverkehr meistere ich ja inzwischen mit links (höhö) und auch an die sehr, sehr unorthodoxe Fahrweise der Thailänder habe ich mich erstaunlich schnell gewöhnt. Wenn man einmal begriffen hat, dass alle rechts und links – und das gleichzeitig – überholen und 2-spurige Straßen gerne zu 6-spurigen gemacht werden, dann läuft es eigentlich ganz flüssig. Nur nicht zögerlich reagieren und auch gerne selbst die Hupe benutzen – das gilt nicht als unhöfliche, sondern als lebenserhaltende Geste. Und deswegen keift sich hier auch wirklich keiner im Verkehr an. Alles fließt irgendwie – selbst im Stau. Die schneiden sich gegenseitig gnadenlos die Wege und die Vorfahrt ab und durchgezogene Straßenmarkierungen scheinen einen Überholvorgang geradezu zu provozieren. Gerne vor Kurven übrigens. Aber alle lassen es irgendwie geschehen und zeigen keine Spur von Aggression oder Ungeduld. Bemerkenswert. Davon sollten wir uns mal eine Scheibe oder zwei abschneiden.

Ich fuhr also los. Richtung Wat Phratat Doi Suthep – diese Tempelanlage befindet sich auf einem Berg, der in Chiang Mai als heilig gilt. Früher war der Anstieg ausschließlich über 360 steile Stufen möglich, heute gibt es außerdem eine kleine Bahn, die einen hoch befördert. Immerhin bin ich die lange Treppe runter gegangen….In den Bergen hat man einen fantastischen Blick auf Chiang Mai, die mit rund 1 Mio. Einwohnern natürlich ganz anders tickt als die 8-Mio-Stadt Bangkok. Auf dem Tempelgelände konnte ich dann auch erstmals einen Sala-Baum bewundern, der einen bizarren, mit Kugeln behangenen Stamm hat. Irgendwann platzen diese Kugeln und zutage tritt eine wunderschöne, große Blüte, die absolut betörend riecht. Zumindest tagsüber. Nachts soll das Gegenteil eintreten. Unter einem Sala-Baum soll Buddha geboren und auch gestorben sein.

Zurück zum Asphalt-Abenteuer. Nach dem Tempelbesuch fuhr ich dann in ein Dschungelgebiet, das einfach eine Wucht war. Endlich! So hatte ich mir Thailand vorgestellt und da war es endllich: Traumhafte Gegend, sehr bergig, wundervoll verwunschene Täler mit Reis-, Orchideen- und Bananenplantagen und einer tierischen Geräuschkulisse der Extraklasse: Geckos, Zikaden, andere, von mir nicht zu identifizierende animalische Rufe, die mein Ohr erreichten. Es war herrlich. Ungefähr in der Mitte meiner gesteckten Route von 80 km neigte sich der Tag langsam seinem Ende zu und auf der Spitze eines kleinen Bergkamms wollte ich dann diese atemberaubende Landschaft ein wenig genießen und auch ein paar Fotos machen. Soweit so gut. 20 Minuten später dann das: Mein Auto springt nicht mehr an. Nix tut sich. Mein Handy, eh schon in der letzten Reserve, kein Empfang. Drumherum: Nichts. Berge. Urwald. Außerdem hatte ich nicht die geringste Ahnung, wie ich meinen genauen Standort hätte angeben können. Ich konnte mich vage daran erinnern, dass ich den Royal Botanic Garden irgendwann passiert hatte. Das war es aber auch schon. Und der Sonnenuntergang setzte langsam ein, d.h., die Dunkelheit ließ nicht mehr lange auf sich warten.

Wie kann ich meine aufkommenden Gefühle beschreiben?

Heftige, mich schüttelnde Panik setzte ein, obschon ich gleichzeitig auch das Gefühl hatte, dass ich das jetzt einfach „genießen“ soll und am Ende alles gut wird. Hört sich komisch an, gell?

Es half alles nix. Als nach weiteren 10 Min endlich ein Wagen mit 6 Bauarbeitern am Horizont auftauchte, habe ich mich einfach auf die Straße gestellt und sie zum Anhalten gezwungen. Die guckten mich vielleicht verdutzt an. Keiner sprach auch nur ein Wort Englisch. Mit erstaunlicher Pantomime habe ich auf das Handy des Fahres gedeutet, und nachdem sie erfasst hatten, dass meine Absichten keine fragwürdigen waren, rief der der gute Mann dann auch brav die Nummer an, die ich ihm gab: Mein netter Gastgeber Opas musste jetzt ran. Dem Himmel sei Dank reagierte dieser auch umgehend. In wenigen Worten erklärte ihm der Thai, was Sache war und dann konnte ich ihn selbst noch bitten, die Autovermietung zu verständigen. Außerdem sagte ich ihm noch, dass, sollte ich 3 Std. später immer noch nicht wieder im Baan eingteroffen sein, er doch bitte kommen möge, um meine Leiche zu bergen. Ein bisschen Spaß muss sein.

Die Bauarbeiter fuhren weiter, und da stand ich also in dieser unglaublichen Landschaft und vor diesem schönen Sonnenuntergang. Allein auf weiter Flur. Dann, nach 10 Minuten, rauschte auf einem Motorbike ein nettes Pärchen an, die den Sonnenuntergang erleben wollten. So hatte ich für die nächsten 30 Minuten Gesellschaft. Dann wurde es wirklich dunkel, das Pärchen fuhr und Jutti fing an zu beten. Nur so, zur Sicherheit :) Weitere 30 sehr, sehr lange Minuten später kam dann die Rettung in Gestalt eines Mechanikers, der rasch die Batterie auswechselte. Sein Kumpane hat mich dann netterweise zum Baan Orapin zurückgefahren – ich hatte keine Nerven mehr und wollte auch das Lenkrad nicht mehr anpacken.

Mit Opas habe ich dann noch über diese Geschichte gelacht und bin dann endlich um 11 Uhr todmüde ins Bett gefallen.

So, Ihr Lieben alle da draußen, ich stelle diese kleine Episode noch rasch in den Blog und dann muss ich auch schon los. Ich trete meine Rückreise an. Heute Abend geht es nach Bangkok und dann gleich weiter Richtung London.

Eine schöne Zeit geht zu Ende. Ich kann nicht glauben, dass es schon vorbei ist, aber ich füge mich der UHR-Zeit. Und hoffe, mich zukünftig auch zu Hause häufiger in der Ereigniszeit bewegen zu können. Am liebsten mit Euch zusammen. Also, lasst uns die Zeit zwischendurch anhalten oder verträumen oder umdrehen oder verlachen oder versäumen oder verschwenden.

Ich danke Euch von Herzen, dass Ihr mich auf dieser Reise begleitet habt.

Und immer daran denken:

1. Der Weg ist das Ziel.

2. Das Ziel ist im Weg.

Eure Jutti


Antworten

  1. Herzallerliebste Jutta,

    leider war ich dank meines phantastischen Jobs ein wenig in Zeitdruck und konnte dich in den letzten Wochen nur passiv begleiten.

    Aber ich habe es sehr genossen und mit abends oft ein paar Minuten dafür gestohlen.

    Schade, dass du schon aufhören musst, schön, dass du wieder in der Nähe bist.

    Hiermit lade ich dich herzlich auf eine Tour mit meiner neuen Batterie unter der neuen Motorhaube ein.

    Bis sozusagen gleich

    Doro

  2. Hi Jutti,

    wollte es doch nicht versaeumen, Dir (leider nachtraeglich) zum Geburtstag zu gratulieren ; – ))

    Alles Liebe, bleib so wie Du bist und weiterhin so tolle Reiseerlebnisse ! Ich schaffe es leider gar nicht, Deine spannenden Berichte alle zu lesen, werde es aber in einer ruhigeren Zeit nachholen.

    Viele Gruesse aus dem sonnigen Bonn, machs gut und bis bald
    Carsten


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