23. April (Auf der Fähre von Koh Lanta zurück nach Ao Nang)
Sawadi kap (Hallo), meine werten Leserinnen und Leser,
die Tage auf der Insel waren sehr schön, aber auch etwas getrübt durch zwischenmenschliche Problemchen hier und da. Keine Ahnung woran es gelegen hat, aber es gab einige Auseinandersetzungen und auch sprachliche Missverständnisse, die zu schlechter Stimmung geführt haben. Einige Thailänder tragen die Nase ziemlich hoch, finde ich. Und sie sind sehr versaubeutelt durch den grassierenden Tourismus, der dem Land zwar viel Einkommen beschert, aber auch viel Geduld und Ausdauer von den Einheimischen abverlangt. Und so mag es nicht verwunderlich sein, dass am Ende einer sicherlich anstrengenden 6-monatigen Touri-Saison Freundlichkeit und Aufmerksamkeit nachlassen und oft auch in genervtes und ziemlich ablehnendes Verhalten umschlagen. Ich habe mehrfach auf einfache, höfliche Fragen keine oder sehr widerwillige Antworten bekommen. Zum Einen liegt das auch daran, dass die meisten Thais trotz der gigantischen Touristenschwemme nur sehr schlecht Englisch sprechen – ein paar Brocken eben, verbale Kommunikation ist nahezu unmöglich. Das wäre ja nicht weiter schlimm, immerhin kann man sich auch mit Händen und Füßen in der Regel bestens verständigen. Aber viele Menschen hier sind auch noch davon überzeugt, dass DU dich nicht anständig auszudrücken weißt, und sie reagieren höchst empfindlich, wenn Du ganz vorsichtig nachfragst, was sie gesagt haben. Was soll man denn machen, wenn man das Kauderwelsch nicht versteht? Ich bemühe mich sehr diese lustige Sprache zu verstehen und/oder zu interpretieren, aber die unwirsche und schnoddrige Art, mit der man mir oft begegnete, hat mich einige Male richtig auf die Palme getrieben.
Ich denke, in touristisch uninteressanten Gegenden wird vermutlich ein anderer Ton herrschen – wenn die Menschen sich nicht permanent mit lästigen Touris rumschlagen müssen, werden sie ihr internationale gepriesenes Lächeln zeigen. Ich meine, wie wären wir drauf, wenn wir die immer gleichen Fragen jeden Tag 2000 mal hören und – schlimmer noch – beantworten müssten?? Wahrscheinlich wären wir auch schräg drauf.
Am liebsten würde ich in das abgelegenste Bergdorf reisen – um Thailand nochmals anders auf die Spur zu kommen. Das würde sich lohnen und wäre vermutlich eine bereichernde Erfahrung. Einen Schritt in diese Richtung mache ich am Freitag. Fliege von Krabi nach Bangkok und dann weiter nach Chiang Mai, der „Perle“ des Nordens, wie man sagt.
25. April
Inzwischen ist mein Anflug von Groll (der letzte Tag auf Koh Lanta endete mit einem sehr heftigen Disput mit einem Angestellten des Twin Bay Resorts) etwas verflogen – auf der Fähre traf ich die nette Finnin Carolina wieder, der ich schon mal begegnet war – sie ist angehende Medizinerin und reist zwischen Grund- und Hauptstudium 1 Jahr lang – 7 Monate waren schon rum und sie erwartete ganz ungeduldig einige Freunde aus Finnland. Wir haben die 1,5 Std. Fahrt sehr nett unterhalten – über Europa, über Neuseeland, übers Heiraten, über Unterkünfte auf Ph Phi Don und vieles mehr. In Ao Nang ist also wieder alles ganz nett und entspannt. Aber ich froh, bald etwas Anderes zu sehen. Der Berg ruft, würde Luis sagen.
Nach „Buddha“ und „König/Königin“ (Ich habe versucht, die Konterfeis seiner Majestäten zu zählen, die mir ins Auge gesprungen sind – bei 588 habe ich aufgehört, und da war in noch nicht mal auf Koh Lanta eingetroffen!!) ist „Essen“ übrigens das wichtigste Wort in Thailand. Eine häufig gestellte Frage im Sinne von „Wie geht’s Dir?“ bei der Begrüßung lautet im Thailändischen: „Hast Du schon gegessen?“. Das spricht eigentlich Bände. Essen ist hier ein omnipräsentes Thema – fast rund um die Uhr beschäftigt sich der Thailänder scheinbar mit der Zubereitung und dem Verzehr von Speisen. Egal wo man steht oder geht – kleine Küchen sind nie weit entfernt. Und die thailändische Küche hat immer eine Überraschung parat. Ich traue mich an fast alles ran. Und glaubt mir: das thailändische Curry (rot oder grün) ist bei Weitem nicht alles – es gibt die wahnwitzigsten Kombis. Super bekömmlich und leicht: Scharf, süß, sauer, mild – alles wird hier durcheinander gegessen – es gibt keine „Regeln“ was mit was zu kombinieren oder nicht zu kombinieren ist. Anarchie in den Schüsseln und am Gaumen – wundervoll.
Der Thailänder bringt übrigens seine Getränke auch gerne mit. Neben dem Tisch steht dann ein kleines Wägelchen, auf dem alle Instrumente und Zutaten für diverse Drinks stehen und das Restaurant-Personal spielt regelmäßig den mobilen Barkeeper und mixt der Gesellschaft neue Drinks. Fast immer ist Johnny, der Walker, im Spiel. Was die Thais an braunem Whiskey so sehr mögen, ist mir schleierhaft. Aber gut – wenn’s schmeckt.
26. April
Seit gestern in Chiang Mai ………. und super, super HAPPY darüber, dass ich diesen Abstecher tatsächlich noch gemacht habe. Ich bin versöhnt, denn meine Gefühle für Thailand waren in den letzten Tagen doch arg getrübt. Chiang Mai macht alles wieder gut und das in einer rasenden Geschwindigkeit.
Ich habe durch gute Recherche ein sensationelles Bed & Breakfast gefunden, eine Oase direkt am Fluss, am Rande des Altstadt. Das Baan Orapin (=Orapins Zuhause und Orapin hieß die inzwischen verstorbene Oma der Familie) ist ein 100 Jahre altes Anwesen mit einem herrlichen Garten und nur 10 Zimmern. Die Lanna-Architektur ist wunderschön – ihr werdet es im nächsten Album sehen. Diese außergewöhnlichen 2-Giebel-Teakhäuser wurden von 1900 bis 1960 in dieser Region Thailands gebaut; das Erdgeschoß befindet sich immer ca. 2 m vom Boden entfernt, die Räume haben alle ca. 3 m hohe Decken und es gibt unzählige hohe, schmale Fenster, die alle mit Läden zu schließen sind. Durch die Süd-Nord-Ausrichtung der Häuser (und Fenster) ist immer eine perfekte Luftzirkulation im ganzen Haus gewährleistet. Ventilator oder Air-Con sind da gar nicht nötig. Die Häuser sind entweder dunkelbraun oder aber schneeweiß und sie sind immer verziert mit wunderschönen Holzschnitzarbeiten, die alle per mühseliger Handarbeit entstanden sein müssen. Ich kriege hier kaum den Mund vor Erstaunen zu.
Mein kleines B&B-Juwel liegt strategisch perfekt, und wenn man das große Tor von diesem ruhigen Paradies öffnet, steht man unmittelbar mitten im lauten Leben und auf einer sehr schmalen, aber stark befahrenen Dorf-Straße, die von super netten Interieur-Geschäften, kleinen Galerien, super romantischen River-Cafés und Restaurants gesäumt ist, wo abends junge thailändische Bands ihr Können live zum Besten geben – GROSSARTIG! Und: Alles ist außerordentlich geschmackvoll in Szene gesetzt, Man merkt ganz deutlich, dass Chiang Mai eine wachsende Kulturszene und sehr viel Sinn für Ästhetik und schöne Dinge hat. Meine Augen freuen sich nach dem endlosen, grässlichen Ramsch-Zeug in Ao Nang so sehr über diesen abwechslungsreichen Mix an Stoffen, Perlen, Silber, Seide, Lack, Stein, Holz. Auch in einigen Galerien war ich schon und so wie es aussieht, werde ich schwach und bringe noch etwas Kunst mit nach Hause. Die Preise des alltäglichen Lebens sind sehr zivil – jetzt fällt mir auf, wie teuer es im Süden war!!. Und die Menschen hier. SUPER SUPER nett, hilfsbereit und sehr fröhlich!! Ich feixe hier mit den Einheimischen oft herum und sie sind immer für jeden, noch so albernen Spaß zu haben. Das klappt oft auch ganz ohne Worte – mit Gestik und vor allem Mimik kommt man sich oft näher als mit Worten – das hat die Natur gut eingerichtet.
Ich dachte nämlich schon, ich sei in den letzten 10 Tagen komisch drauf gewesen, aber viele Leute hier oben bestätigen mir, dass das Benehmen der Menschen im Süden durch den starken Tourismus sehr schlecht geworden ist und sie selbst zu Thailändern aus anderen Regionen ziemlich kurz angebunden und unfreundlich sind. Also, ich würde bei meinen nächsten Besuch definitiv mehr Zeit im Norden verbringen, und außerdem würde ich – was ja auch mein Plan war – nur auf ganz kleine Inseln fahren. Koh Ngai (spricht sich Hai) kann ich wärmstens empfehlen und Koh Jum wird mich auch noch sehen.
Leute, eins muss ich jetzt doch mal festhalten: Ich habe auf dieser Reise so deutlich wie nie zuvor gespürt, was es heißt, in Europa geboren zu sein – überhaupt hat dieses Hüpfen von Kontinent zu Kontinent dazu geführt, dass sich ein ganz neues Bewusstsein für meine europäische Identität in mir entfaltet hat. Mir wird – auf eine mir bis dato unbekannte Art – jedes Mal doch ganz warm ums Herz, wenn ich sagen kann: I’m from Europe. Das „Deutschsein“ spielt da nur eine untergeordnete Rolle. Aber mir wurde in den letzten Wochen auch nochmals klar, dass ich in einem besonders ernsten, ehr nüchternen und dunklen Teil von Europa lebe. Es ist wichtig, immer mal wieder Abstand von den heimischen Lebensbedingungen und -gewohnheiten zu nehmen, um den Blick wieder fürs Wesentliche zu schärfen. Außerdem genieße ich es, keine Nachrichten zu sehen oder zu lesen und nicht mit schlechten News über Konjunktur, Finanzmärkte oder sonstigen lebensfremden Quatsch konfrontiert zu werden.
Bevor ich meine Rückreise (sehr, sehr, sehr widerwillig!!) antrete, erzähle ich Euch noch ein wenig über Chiang Mai – von dem ethnologischen Multikulti-Mix, von den herrlichen Wat (Tempeln), von der schönen Handarbeit, vom Nachtbazaar und von meinen Begegnungen hier.
Und Fotos kommen auch – Ich muss Euch unbedingt zeigen, wie schön Chiang Mai ist!
Sawadi kap, mes amis.
Liebes Schwesterchen!
Wenn ich Deinen letzten Bericht so lese, so kommt mir nur ein Gedanke!
It’s time to say good bye and come home. Und zwar über Athen, denn das ist Dein zweites wirkliches Zuhause und ich denke, das wäre ein toller Zwischenstopp bei Sosso so zum Eingewöhnen, bevor Du in den „dunklerer“ Teil Europas weiterreist. Ich denke, dass Dich einzig und allein die Griechen wieder nach Europa zurückführen werden *lach*.
Auch die sind chaotisch und hektisch und laut, aber sooooo nett!
Es ist wirklich atemberaubend, was Du alles erlebst und wie lebendig Du es beschreibst, aber ich glaube, nun ist es genug, der Akku ist voll. Überladene Akkus gehen schneller kaputt, also sieh zu dass Du noh Huss küss,und zwar avanti galoppi!! Ich gestatte Dir nur noch einen einzigen Stop in Athen!
Thai fliegt ungefähr fünfmal die Woche nonstop Bangkok – Athens
Hier sind die Flugzeiten:
Hinflug: Von Bangkok nach Athen
Sonntag, 27. April 2008 – Sonntag, 4. Mai 2008
Flugtage = April/Mai
Nächste Woche 27.4. 28.4.
01.05. 03.05. 04.05.
Thai Airways Intl (TG 946)
Abfl.: 00:35 – Bangkok (BKK)
Ank.: 07:05 – Athen (ATH) Terminal E
Flugzeug: Boeing 777-300
Hier ist alles im Lot, die Sonne scheint, und ich hauche Deinen Balkonpflanzen Leben zum Blühen einin Form von h2o.
Der Frühling ist auch in Köln angekommen. Ich wünsche Dir noch ein paar schöne Tage in Thailand und komme gesund heim. Egal ob über London oder Athen!
Lass von Dir hören! Liebe Grüße von Ralf, der kommatös auf dem Sofa liegt und döst.
Küsschen
Andy
Von: Andy am April 27, 2008
um 4:12