Verfasst von: Jutti_down_under | März 8, 2008

Von der Bay of Islands zur Kauri Coast

ACHTUNG: Nach diesem Eintrag findet Ihr 2 weitere neue Foto-Alben! Unbedingt ansehen!

 

Tag-ich-weiß-es-nicht-mehr (ich glaube 9)

 

Konnte die letzten zwei Tage nicht ins Internet und hatte auch kein Handy-Empfang – war im Wald….und in was für einem!!! Unbeschreiblich, wirklich. Später erzähle ich mehr. Ich hoffe, dass ich nun endlich auch mal ein kleines Filmchen einstellen kann, das vielleicht besser transportiert, was ich versuche, in Worte zu fassen. Aber fangen wir beim letzten Ende an:

 

Von Russell (noch ein nettes Detail über Russell: Der Ort bzw. die gesamte Bay of Islands galt im 19. Jhd. als „pazifischer Höllenort“, weil dort viele Seeleute „strandeten“ und sich diversen Lastern hingaben. In der Bucht muss es heiß hergegangen sein – Party ohne Ende. Davon ist heute nichts mehr zu spüren – na ja, einen Hauch lockeren Lebens versprüht noch der einzige Pub in town. James Cook (der war auch überall, gell?!) und Charles Darwin waren auch in Russell. Darwin spendete Geld für den Bau der (ältesten) Kirche Neuseelands (Bilder im Album). Ist aber vielleicht kein so spannendes Detail. Spannender mag da sein, dass sich in diesem Mini-Örtchen das wahrscheinlich teuerste „Hotel“ Neuseelands versteckt. Eagle’ s Nest heißt es (muss direkt an einer Klippe liegen), und es ist so gut versteckt, dass man es wirklich nicht findet. Außerdem heißt es: „Wenn Du fragen musst, was eine Übernachtung dort kostet, dann kannst Du es Dir nicht leisten, dort zu wohnen.“ Madonna und Konsorten steigen dort ab, wenn sie in Town sind. Die King`s Suite kostet wohl 150.000 Euro die Woche, Porsche inklusive. Beim nächsten Mal bin ich dabei. Bestimmt!

 

Also, von Russell gings zurück nach Paihia und von dort ins sehr nahe gelegene Waitangi, dem idyllischen Platz, an dem der heute immer noch gültige Vertrag zwischen den Maori und der englischen Regierung unter Queen Victoria geschlossen und unterzeichnet wurde. Jedes Jahr versammeln sich dort Maoristämme aus ganz Neuseeland und europäische Abkömmlinge zu einer feierlichen Zeremonie. Ich habe Fotos von diesem historischen Moment in 1840 gesehen. Beeindruckend, welche Welten da zueinander gefunden haben. Ein Wunder, muss man fast sagen. An das Vertragsgebäude schließen sich 560 ha Naturschutzgebiet mit Mangrovenwäldern und Urwald an, die Front des Hauses blickt auf ein riesiges offenes Areal, hinter dem das Meer auftaucht. Das Haus wurde an der perfekten Stelle gebaut. Es ist ein, ich nenne es mal: weit atmender Ort, finde ich. Strahlt viel Kraft, Ruhe und Frieden aus. Jedenfalls war es sehr schön, sich dieses riesige Areal anzusehen – Fotos im Album.

 

Da ich die Uhrzeit aus dem Augen verloren hatte (was immer häufiger vorkommt und sich wundervoll anfühlt), wäre es zu spät geworden, die geplante Strecke zum nächsten Campingplatz entlang der westlichen Kauri Coast zu fahren. Also ging es an der Ostküste zurück und dann schräg feldeinwärts. Ziel war der Top 10 Holdiay Park Matokahohe. Das feldeinwärts war, wie soll ich sagen, ein Abenteuer für sich. Ich bin auf einem sogenannten Scenic Drive geraten. Das sind in der Regel schlechte, sehr, sehr schmale (1,2-spurig), extrem oft kurvenreiche Schotterpisten, die zwar immer in ein landschaftlich umwerfendes Gebiet führen, aber auch mörderanstrengend sind. Zumindest, wenn sie 18 km lang sind (30 kmh sind das Höchste!) und Du mal austreten müsstest, es Dich aber nicht traust. Ich war extrem nervös, weil ich Angst hatte, dass mir ein Milchtruck oder Ähnliches entgegen kommt und ich zum Anderen auf der Karte nicht ausmachen konnte, ob ich an der richtigen Stelle wieder aus dem Dschungel herauskomme. Am Ende der Schotterpiste eröffnete sich mir der Blick auf……eine weitere Piste dieser Art. Weit und breit kein Schild, kein nix. Nur Kühe. Kühe, Kühe…. und Gegend, viiiiiiiiiel Gegend. Da hatte ich das erste Mal ein wenig Muffensausen. Aber da! Endlich! Ein Haus! Auf dem Hügel! Hin! Es handelte sich um eine typische Farm mit Farmer, Hühnern, sehr, sehr vielen Kühen und einer dramatisch schönen Aussicht. Der gute Mann musste sehr lachen, hat mir aber mit dem typischen „no worries, lovely“ vorbildlich den richtigen Weg gewiesen. Die sind so hilfsbereit und nett hier, das ist einfach toll.

Über Matakohe gibt es nicht viel zu sagen – erwähnenswert ist hier aber das Kauri Museum, das wirklich eine riesige Menge an Informationen und Exponaten rund um den Kauri Baum bietet. Dieser arme, gigantische Baum ist ja bis in dieses Jahrhundert hinein immer wieder gnadenlos gefällt worden, darunter Exemplare die mehr als 1000 Jahr alt waren. Eine Schande! Im Museum zeugen zig exzellente Fotos von diesen „Hinrichtungen“. Sie zeugen aber auch davon, welche enormen Anstrengungen die Waldarbeiter auf sich nehmen mussten, um einem solchen erlegten Baum (4 – 7 Meter Durchmesser, 30-60 Meter hoch) überhaupt Herr zu werden. DAS war wirklich ein Knochenjob – dagegen sind die Waldarbeiter von heute, mit Verlaub, allesamt Warmduscher (behaupte ich mal kühn).

 

Von Matakohe bin ich dann über Dargaville die Kauriküste nordwärts gefahren. Ich möchte folgendes sagen: Ein absolutes MUSS für jeden Neuseeland-Besucher. Hier jagt ein Naturspektakel das nächste. „Back to nature“ – hier absolut kein Problem. Besonders beeindruckend sind die beiden Naturparks Waipoua und Trounson Forrest – in beiden gibt es noch Bestände von uralten Kauri-Bäumen, der älteste und größte von allen steht im Waipua Forrest, durch den übrigens eine 18 km lange, sehr idyliische Straße führt. Tane Mahuta (Lord of the Forrest) ist über 50 Meter hoch und hat einen Stammumfang von knapp 14 Metern. Er ist 2000 Jahre alt (!!!) und zählt damit zu den ältesten Bäumen weltweit. Ich habe meinen Augen kaum getraut. Was für ein Naturwunder! Im Waipua Forrest habe ich eine Wanderung gemacht, die ca. 5 Stunden dauerte – ich kann darueber nichts schreiben.

Ich war allein mit ca. 1 Millionen Bauemen. Man fuehlt sich total sicher und beschuetzt. Keine Stimmen, keine Motoren, keine Flugzeuge, nur die Gerausche der Baueme und Palmen, unzaehlige Schmetterlinge, die zirpenden Zikaden und die huebschen Toene der exotischen Voegel. Das war ein Geschenk.

 

Der Top 10 Holdiday Park, in dem ich übernachte, liegt quasi im Trounson Park, unmittelbar an einem verwunschen, wilden kleinen Fluss. Fühlt sich an wie in den Bergen und so hügellig ist es hier auch. Kein Haus weit und breit. Nur Kühe, immer wieder KÜHE. Die Luft hier ist so klar und gut, da macht Atmen doppelt Spaß. Aber das Klima ist sowieso fantastisch und die Luft war selbst in Auckland sehr gut.

 

Im Trounson Park wurde ein Programm zur Ausrottung der ärgsten Feinde des Kiwis initiiert. Das Oppossum (habe schon einige zermatscht auf dem Highway gesehen), der Marder und… wer hätte das gedacht, der Igel, sie alle haben es auf den Kiwi abgesehen. Alle drei gehören nicht zur einheimischen Fauna, sind quasi von Menschen eingeschleppt worden. Für den Kiwi stellen sie, neben Hunden, die größte Bedrohung dar. So ein Kiwi hat ja keine Flügel – also keine richtigen (haben sich im Verlauf der Evolution zurückgebildet, da der Kiwi keine Bodenfeinde kannte – bis die Europäer kamen. Ein Kiwi-Paar legt nur 2-4 Eier im Jahr und das Männchen brütet diese allein in 90 Tagen aus. Die Chancen, dass diese Eier oder der Kiwi selbst in dieser Zeit einem Feind zum Opfer fallen, sind sehr hoch. In Trounson hält man die Eindringlinge durch verschiedene Maßnahmen ab und so ist die Kiwi-Population hier auf einer Fläche von ca. 450 ha auf 200 angestiegen. Das sind sehr viele, ließ ich mir erklären. Wenn es also im ganzen Land überhaupt eine minimale Chance gibt, einen (nachtaktiven) Kiwi in seinem natürlichen Terrain zu beobachten, dann hier.

 

So habe ich gestern Nacht auch die geführte 2-stündige Nachtwanderung (mit Rotlichtlampen) durch den Trounson Park für 20 NZD gebucht. Und…. ICH HABE EINEN KIWI IN FREIER WILDBAHN GESEHEN. Das war wirklich bewegend, wenn man weiß, dass dieses Tier vom Aussterben bedroht ist. Nun, wir haben den Burschen zwar nur einen kurzen Augenblick sehen können, aber gefreut haben wir uns natürlich. Zu sehen gabs auf der Wanderung außerdem noch mehr beeindruckende Kauris, Aale, Krabbenfische, super coole Glühwürmchen mit bestimmt 5 Watt, dann eine riiiiiesige Ausführung einer Mischung aus Spinne und Grashüpfer (hab vergessen, wie das Vieh heißt) Das größte Exemplar hatte den Durchmesser einer Untertasse. Nix für mich. Ach ja, und die hübschen, sehr großen Kauri-Schnecken (werden von Maori „Die Schnecken des Himmels“ genannt, weil sie in der Regel in der Krone der Kauribäume zu finden sind.

 

Heute war Strand-Tag. Super schoene Bilder  – aber erst im naechsten Album zu finden. (Hab auch soooo schoene Filmchen gemacht, aber der Ton hoert sich an wie “Der Exorzist – Teil 9″, grauenhaft. Irgendwas stimmt nicht mit der Kamera.)

Es war – HERRLICH. Und sehr warm. Und sehr einsam. Dieser Strand zieht sich sage und schreibe 100 km die Westküste entlang – da kann man den einen oder anderen Spaziergang machen. Aufgrund fehlender Wasserreserven (und weder hier, noch am Strand gibt es irgendeine Infrastruktur – der nächste Ort ist 30 Min. entfernt. Wer da keine Lebensmittel dabei hat, hat Pech gehabt oder ist das, was auf meinen Fotos zu sehen ist. Igitt. Das war sooooooooooooooo ekelhaft. Dosen-Nudeln (aufgeweicht, matschig) in einer E- 605,302,907,402-Tomatensoße. Ich habe exakt eine Gabel gekostet und dann einen Apfel als Abendbrot genossen.

 

Ich stelle fest, dass ich durch die Übernachtungen auf diesen sagenhaft gut ausgestatteten und vor allem perfekt gelegenen Camping-Parks zwar günstig über die Runden komme, aber die familiäre Anbindung, die ein B&B-Aufenthalt hat (wie im Moana Vista) ist natürlich nochmal etwas anderes. Persönlicher halt. Es gibt hier übrigens verschiedene Ü-Möglichkeiten:

 

Backpacker`s

Camping (von ** bis *****)

Motels

B&B von ** bis *****

Boutique B&B oder Lodges (in der Regel ab *****)

Hotels

 

Wenn Geld keine Rolle spielt oder wenn man nur für kurze Zeit da ist, kann man in NZ an 1000 Orten spektakulär schön wohnen (eine fantastische Aussicht gibt’s hier eigentlich immer), aber wenn man sich länger im Land aufhält, wird’s auf Dauer echt dür.

 

Morgen breche ich Richtung Coromandel, eine hübsche Landzunge östlich von Auckland. Ob ich dort morgen schon ankomme, weiß ich nicht. Sind 378 Kilometer – im Landstraßentempo brauche ich dafür 5 Stunden. Mal schauen, was passiert.

 

Ich spreche nicht viel von Menschen – das liegt daran, dass ich zwar viele kennen lerne, aber bislang ergab sich noch nichts Intensiveres. Liegt wahrsch. an dem Nomaden-Verhalten, das wir hier alle zeigen: Heute hier, morgen dort. Und abends vorher noch schnell Wäsche waschen. Da bleibt keine Zeit :) Es sind sehr viele Holländer hier, Kanadier, Engländer, klar, und Australier und auch Deutsche. Amerikaner gibt’s auch, habe aber den Eindruck gewonnen, dass die Kiwis nicht so auf Amis stehen.

 

Genug für heute. Ihr fehlt mir alle. DANKE FUER EURE GROSSARTIGEN KOMMENTARE, DIE MICH SEHR ZUM LACHEN BRINGEN!! IHR SEID DIE BESTEN!!

 

 


Antworten

  1. Juchuhhhh,
    wieder super Fotos, macht totalen Spaß zu lesen und zu gucken.Ich wär auch gern da,menno!!!
    Einen fünfstündigen Spaziergang allein in der Natur, stelle ich mir spektakulär vor.
    Es ist schon verrückt, dass die wenigstens von uns, in ihrem Leben jemals mit Natur kompakt konfrontiert waren. Wirklich Stille, nur Natur, Tiere.Heute kostet das extra!
    Als ich irgendwann mal in der Sauna war, fiel mir nach ein paar Stunden auf, dass seit geraumer Zeit kein Handy geklingelt hat.War verboten, herrlich! Kostet !
    Diese Nachtwanderung stelle ich mir auch gigantisch vor !! Glühwürmchen, I love it !
    Als ich noch Kind war, damals, gab es die auch im Kölner Raum. Weg!!
    Seit du weg bist, treffe ich nur noch Menschen die gerade in NS waren, berichten alle das der Neuseeländer an sisch herrausragend freundlich sein muß.Das er mit dem durchschnitts Ami nicht liebäugelt, gibt zusätzliche Gummipunkte meinerseits. Allmählich müssen sie sich doch ein bißchen sehr ausgestossen fühlen, weltweit.
    Auch nicht schön :)

    My dear, have fun, was macht der dicke Hals???
    Habe dir mail geschrieben.
    Bussi, immer Bommerlunder…Deine Betz

  2. Habe die ganze Zeit darüber gegrübelt, wie denn ein Igel den Kiwi wohl reißt!
    Kettsägenmassaker, meine Phantasie ging durch-bis- och,….der frißt die Eier!:)
    Prof.Dr.Betzmek

  3. liebe jutta
    entdecke durch deine bilder auch (zumindest für mich) neue seiten an dir…
    du hast so viel freude und humor- das macht vergnügen und lust auf mehr
    kommt alles sehr unverstellt, direkt und uneitel daher
    bin sehr beeindruckt
    jutti erfrischend anders
    alles liebe
    claudia

  4. Hallo liebe Juttiimlandderlangenweissenwolke!

    endlich auch von mir ein Lebenszeichen. Sitze im Bett und hole nun zwei Wochen weblog Eintraege auf. Gar nicht so einfach sich durch den Dschungel an Kommentaren und Bildern zu wuehlen. Wannsinnige Fotos und sehr schöne Reisebeschreibungen. Mir geht es wie allen anderen….wir wollen das auch!!!

    Sehr schoenes, lustiges und informatives weblog. Surfe nun schon gut eine Stunde durch deine Seiten und muss oft auch einfach schmunzeln und habe Dich dann dann auch echt vor Augen mit allen Schoenheiten und Verzweiflungen des Tages.

    Irgendwie scheint Neuseeland ein Ort an dem man ohne Yoga, spirituelle Ausgleichsübungen, cranioscrale Biodynamik und aehnliche Verrenkungen sehr gut durchatmen kann, als gäbe einem nur die Umgebung schon soviel Raum im Kopf, dass einem Bang wird. Die Bilder allein sind eine Meditationsuebung. Wie muss das erst sein wenn man dort ist.

    Mein Lieblingsbild ist allerdings vordergruendig eher profaner Natur „Super Snapper mit nicht so super Frisur (oder so aehnlich)“ Ich musste echt sehr, sehr lachen und bei mir lief dann auch gleich ein ganzer Film ab, wie das dann so geht auf Reisen.

    Ich vermute, dass das Foto gemeinsam mit den wunderbaren Informationen zum Pinkeln und anderen Hygienevorschriften fuer die Chinesen den Ausschlag gegeben hat, Deine Seite zu sperren. Wie du weisst, bin ich ja zeitgleich mit Dir ans andere Ende der Welt geflogen und in China hatte ich keinen Zugang zu Deinem blog. Nichts ungewoehnliches (allerdings vermutete ich in China noch, dass Du heisse Fotos von Maennern in Holzfaellerlook eingestellt hattest oder zumindest deftige Kommentare ;-) ). Nun nach dem lesen Deines (in dieser Hinsicht) doch eher unschuldigen blogs komme ich zu dem Schluss, dass es nur am Super Snapper oder/und am Pinkeln gelegen haben kann. (Fuer die meisten Leute, die wir in China gesprochen haben, sind gesperrte sites, email Kontrolle etc. noch immer der ganz normale Alltag… Ulliimlanddergrossentarnung)

    Also auch deshalb jetzt erst Meldung von der niederlaendischen Front. Jan ist auf dem Weg nach Paris und Katze Jane schnarcht neben mir (wir haben tatsaechlich eine Katze die mit zarten 5 Monaten schon schnarcht…was soll das mal werden?)

    Ich mail Dir alles weitere.

    Big hug von uns allen (von jan und jane abwesenderweise)
    alles liebe und auf bald, deine u.

    p.s. bitte nicht lockerlassen mit den tagebucheintragungen. bin jetzt schon total neugierig auf den vergleich zwischen aussies und kiwis und wie es dann weitergeht in thailand.


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